„Pfia God !“

 

Güle güle, sagt der Bleibende, Allah ismarladik der Gehende.

Das höre ich jetzt des Öfteren.

Denn meine Zeit hier in Istanbul geht zu Ende.

Im Bayerischen, wo ich herkomme, gibt es denselben Gruß:

„Pfia God“ sagt der Gehende und Gott befohlen, der Bleibende.

Beides – in meinen Augen- sehr ausdrucksstarke Grußformeln.

Mit einem herzlichen „Grüss Gott“ aus Bayern bin ich zu Ihnen gekommen.

Mit einem ebenso herzlichen „Pfia God“ möchte ich mich heute von Ihnen verabschieden.

Mit großer Dankbarkeit blicke ich auf die Zeit hier in Istanbul zurück. Es gab sehr viel Gutes.

Allen voran die vielfältigen und oft sehr interessanten Begegnungen mit Ihnen und in der internationalen Ökumene. Schade nur, dass es meine Zeit nicht hergegeben hat mehr Besuche zu machen.

Genossen habe ich die Kontakte zu Ihnen, zu den türkischen Nachbarn und den türkischen Lehrern am DSI.

Für Privates ist leider – obwohl ich ohne Familie hierhergekommen bin- sehr wenig Zeit geblieben. Ambitionierte Pläne beim Choral Istanbul zu singen, ließen sich wegen der vielen Arbeit im Pfarramt leider nur ein Jahr lang realisieren. Auch mein hier neu gekauftes Fahrrad ist hier eher verrostet als genutzt worden, ebenso blieb mein Schwimmticket ungenutzt. Von einem freien Tag, der auch uns Pfarrern zusteht, möchte ich gar nicht sprechen.

Die Arbeit hier in der Gemeinde- es ist eigentlich eine endlos Story- musste gemacht werden und ich habe sie sehr gerne wahrgenommen und ihr mich mit Haut und Haar wirklich gerne verpflichtet gefühlt, oft in die Nacht hineingearbeitet. Ohne geregelte Unterstützung im Pfarrbüro, ist das alles aber nicht zu schaffen. Zu mir ganz persönlich gehört auch, dass ich Menschen mit großem Respekt und Achtung begegne und sie ungern warten lassen. Darum hat jeder, der unverhofft vor dem Pfarrhaus stand seine Zeit bekommen. Manchmal auch zu Lasten mancher vereinbarter Termine. Aber Menschen haben für mich immer Vorrang. Da liegt dann ganz schnell Stärke und Schwäche beieinander. Ich jedenfalls habe mich bemüht all den Anforderungen gerecht zu werden.

Die große Herausforderung für diese Gemeinde in der Zukunft wird sein, die vielfältigen und sehr umfangreichen Arbeitsfelder so zu strukturieren, dass sie arbeitstechnisch machbar sind und auch  abgedeckt werden können. Gleichzeitig gilt es diese Gemeinde in eine finanziell abgesicherte Zukunft zu führen. Denn bedingt durch die seit Jahren politisch bedingten unsicheren Zeiten und den damit schreibt diese Gemeinde nur rote Zahlen.(Wussten Sie das?).

Ihnen als Gemeindemitglieder muss ich jetzt nicht sagen, was damals 2013 und in den Folgejahren politisch passiert ist und was seitdem auch für unsere Gemeinde v.a. wegen der ausbleibenden Besuchergruppen und ihren großzügigen Spenden langsam existenzbedrohend wird.

Nur am Rande: Auch Sie können ja mal überlegen, ob die Höhe Ihres Gemeindebeitrages – unter Berücksichtigung der immensen Inflation der letzten Jahre hier im Lande – immer noch angemessen ist. Wir brauchen wirklich jede Lira!

 

Zum Schluss:

Mein Herz ist voller Dankbarkeit.

Für viele schöne Begegnungen mit tollen Menschen, für gelungene Gottesdienste und Konzerte etc. pp, für das 500- jährige Reformationsjubiläum, das 175-jährige Gemeinde-Jubiläum…und…und….und….

Alles Eindrücke, die ich mitnehme und sehr dankbar dafür bin.

Der Gemeinde wünsche ich von Herzen, dass sie all die schwerwiegenden Herausforderungen der näheren Zukunft bewältigen kann. Dazu gehören die Fragen, ob die Diakoninnenstelle und damit die Arbeit der ÖIS weiter finanziert werden kann, ebenso wie die seit mehreren Jahren drückenden Finanzprobleme und die damit verbunden unabdinglich notwendigen internen strukturellen Veränderungen.

Dem Kirchengemeinderat danke ich für sein unermüdliches Engagement und würde mir wünschen, dass auch dieses Gremium durch weitere Ehrenamtliche und sowie auch durch Anerkennung von Gemeindeseite etwas gestärkt wird und Entlastung erfahren könnte.

So bleibt mir zum Schluss wirklich nur noch ein herzliches „Pfia God“ zu sagen und Ihnen weiterhin Gottes reichen Segen zu wünschen, für Sie privat, wie auch für diese Gemeinde.

Es grüßt Sie herzlich

Pfarrerin Gabriele Pace

PS. Bleiben Sie behütet und v.a. gesund

 

Die Abschiedspredigt finden Sie unter der Rubrik "Predigten" auf unserer homepage.