Predigtgedanken zum Sonntag Exaudi


Ein Mensch, der betet,

kann keine Angst mehr haben

und nicht mehr traurig sein.

Im Gebet ist Christus,

ist Gott uns nahe.

 

Gedanken zum Sonntag Rogate

 

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

rund um das Thema Beten gibt es viele Fragen und selten befriedigende Antworten.

Vielleicht hängt es einfach damit zusammen, dass Beten etwas sehr Persönliches und Intimes ist. Lieber beantwortet man noch die Frage, was man verdient, als vor anderen zuzugeben, dass man betet.

Was, Du hast es nötig zu Beten?

Ja. Es gehört schon Mut dazu, zuzugeben, dass man betet.

Und was tut man da eigentlich, wenn man betet? Mit Gott sprechen?

Wie soll denn das bitte gehen?

Und wie schaut mein Gebet aus? Ist es ein Stoßseufzer oder eher eine Kerze, die ich verschämt in einer Kirche anzünde und die mit ihrem Schein wortlos mein Gebet übernimmt.

Ist es ein Stammeln, ein Bitten, ein Flehen oder geht es überhaupt nur mit gefassten Gebeten und Gebetsvorlagen, die mir die eignen Worte abnehmen?

Wo bleibt der Dank und die Bitte für Andere, die Fürbitte?

Der heutige Evangeliumstext (siehe Leseordnung) zum Sonntag Rogate    (Betet!) zeigt es uns mit seinem Dreiklang eigentlich ganz einfach, wie es funktionieren könnte:

Ø Es gibt uns einen Gebetsvorschlag vor: das Vaterunser

 

Ø Es vergleicht das Gebet mit einem bittenden Freund und kommt zu dem Schluss:

„Bittet, so wird Euch gegeben. Suchet, so werdet ihr finden.“ (V 9).

Ø Und dann kommt zum Schluss noch -typisch Jesus- eine Verheißung, ein Versprechen , eine Steigerung:

Wenn schon wir , obwohl wir eigentlich sündhaft (böse)  veranlagt sind, gute Gaben geben können, um wieviel mehr wird Gott uns Gutes tun. Er will und wird uns seinen guten Geist geben. Wir sollten ihn nur darum bitten.

 

Beten, liebe Leser und Leserinnen, ist daher eigentlich nicht nur eine Tätigkeit, sondern eine Lebenshaltung.

Wenn Sie diesen Gedanken „Beten als Lebenshaltung“ für sich noch etwas weiterverfolgen und vertiefen wollen, empfehle ich Ihnen sehr die Überlegungen zum Gebet auf www.elkb.de zum eigenen Weiterschmöckern.

Viel Freude damit!

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin

Gabriele Pace

 

 

Dietrich Bonhoeffer

 

Das rechte Gebet ist nicht ein Werk, eine Übung, eine fromme Haltung, sondern es ist die Bitte des Kindes zum Herzen des Vaters. Darum ist das Gebet niemals demonstrativ, weder vor Gott, noch vor uns selbst, noch vor anderen. Das Gebet kann niemals eine Beschwörung Gottes sein, wir brauchen uns vor ihm nicht mehr darzustellen. Wir dürfen wissen, dass er weiß, was wir bedürfen, ehe wir darum bitten.

 

 

 

Die ersten Augenblicke des neuen Tages

gehören nicht eigenen Plänen und Sorgen,

auch nicht der Übereifer der Arbeit,

sondern Gottes befreiende Gnade,

Gottes segnende Nähe.

 


Predigt am Sonntag Cantate 2020

 

Verstummt sind Sie. Die Straßenmusikanten auf Istanbuls Straßen.

Zwangspause. Verschwunden sind sie. Wie vom Erdboden verschluckt. Kein Einkommen.

Wovon sie jetzt wohl leben?

Manchmal – in normalen Zeiten- lassen sie uns mit ihren Stimmen und Instrumenten Aufhorchen, Innehalten, Schauen, Staunen. Wir erfreuen uns an ihnen, werfen vielleicht auch die eine oder andere Lira in die bereitgehaltenen Behälter ein.

Manchmal ist ihre Musik – auch wegen der allgemeinen eh schon sehr lauten Athmosphäre auf den Istanbuler Straßen- eher eine zusätzliche Lärmquelle. Je nachdem eben.

Außer Frage steht:

in der Zeit der zwangsverordneten Ruhepause des lock-downs gehen sie uns ab. 

Wann sie wiederkommen werden, wissen wir nicht.

Aber wenn sie wieder kommen, wissen wir: geht es wieder Berg auf.

Sie werden sehnlichst vermisst. Denn sie verkörpern Lebensfreude, Lebenslust und Unbeschwertheit. Sie erheitern unser Gemüt mit ihrer Musik, ihrem Lebensgefühl und ihrer positiven Lebenseinstellung.

Sie stehen für so Vieles, was uns jetzt fehlt.

Der heutige Sonntag trägt den Namen Cantate. Singt!

Ist Ihnen diese Tage nach Singen zu Mute?

Oder ist Ihnen das Trällern eines Liedes im Halse erstickt?

Nun, das obligatorische „Happy birthday“ ist wohl auch in Coronazeiten den Geburtstagskindern noch gesungen worden.

Aber sonst?

Na ja…..??? Außerdem Singen kann  man ja nicht zwangsverordnen.

 

Singet dem Herrn ein neues Lied!

Der ausgelassene Tanz, das Lied, das Trauernden die Tränen löst, das Pfeifen im Dunkeln und die Arie, die tief ins Herz dringt, – Musik lässt niemanden unbewegt.

Das sieht man schon, wenn man kleine Kinder beobachtet, wie sie auf Musik reagieren.

Sie lachen, müssen sich mitbewegen, oft noch ungelenk, aber die Musik fährt ihnen direkt und im wahrsten Sinne des Wortes in die Glieder. Sie können sich nicht mehr stillhalten, sie müssen tanzen.

Evangelische Frömmigkeit wäre nicht denkbar ohne Musik, ohne unser großes Repertoir an Kirchenliedern und Bachkantaten. Gäste staunen immer wieder, wenn ich in der Kirche ein Gesangbuch zur Hand nehme und ihnen den Schatz von 669(!) Kirchenliedern zeige. 

Und die singen sie alle?, fragen sie dann erstaunt. Na ja, nicht alle, aber immerhin sehr viele.

Um Musik und Gesang drehen sich heute am Cantatesonntag (Singt!)  auch die biblischen Lesungen: Der erleichterte Dank der Geretteten, das mächtige Loblied der Geschöpfe Gottes, das besänftigende Harfenspiel und der mutige Gesang, der Kerkermauern sprengt – sie alle vereinen sich zu einem vielstimmigen Lob Gottes. 

Der Wochenspruch ermuntert uns:
„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Psalm 98,1“

Sicherlich kennen Sie auch den Ausspruch: Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.

Dort, wo gesungen wird, wo noch dazu sein Name besungen wird, dort ist Gott ganz nah. Kein Bereich des Lebens soll von diesem Lob ausgeschlossen sein, keiner ist zu gering für diese Musik. Je mehr unser Leben zum Gesang wird, desto stärker wird uns dieses Lied verändern zu liebevolleren und dankbaren Menschen.

Dank und Dankbarkeit ist auch das Motto unter dem unsere Kinder den Muttertag an diesem Sonntag feiern. Danke sagen für alles, was gut ist, für all die Liebe, die uns geschenkt wird und die das Fundament für unser aller Leben ist.

Dankbarkeit lässt uns alle das Herz aufschließen und es manchmal dann sogar vor Freude und Lust überfließen. Diese überströmende Dankbarkeit zaubert uns dann gelegentlich auch Melodien auf unsere Lippen.

„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Psalm 98,1“

Wenn Sie jetzt Lust auf Musik bekommen haben sollten, so biete ich Ihnen zum Weiterhören folgende Links an: 

ð „Singt Gott unserem Herrn, singt ihm neue Lieder“ 

aus der Evangelischen Gemeinde in Gangkofen  

YouTube: https://youtu.be/hfstOIVrd3s

 

 

ð oder die Bachkantate für den heutigen Sonntag im BR:

„Es ist Euch gut, dass ich hingehe“  

https://www.br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-2072058.html

 

 

SONNTAG, 10.05.2020

08:05 BIS 09:00 UHR

BR-KLASSIK

 

 

 

DIE BACH-KANTATE 

 

Mit Bach durch das Kirchenjahr 

Zahlreiche geistliche Kantaten für die Sonntage und Feiertage des Kirchenjahres hat Johann Sebastian Bach komponiert. BR-KLASSIK stimmt Sie jeden Sonntag um 8.05 Uhr mit dem entsprechenden Werk des Thomaskantors ein. 

 

Johann Sebastian Bach: "Es ist euch gut, dass ich hingehe", Kantate am Sonntag Kantate, BWV 108 (Bogna Bartosz, Alt; Jörg Dürmüller, Tenor; Klaus Mertens, Bass; Amsterdam Baroque Choir and Orchestra: Ton Koopman)
Anschließend: 
Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge D-Dur, BWV 532 (Stefan Baier, Orgel); Tomaso Albinoni: Konzert C-Dur, op. 9, Nr. 9 (Stefan Schilli, Giovanni Deangeli, Oboe; Stuttgarter Kammerorchester: Nicol Matt); Johann Melchior Molter: Ouvertüre F-Dur (Nova Stravaganza: Siegbert Rampe).

 

 

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen und Ihren Lieben !

 

 Gabriele Pace 

Pfarrerin

Sonntag Cantate 2020

 

 

 


Vom Weinstock und den Reben

Gedanken zum Johannesevangelium 15,1-8

Liebe Leser*in!

 

Es gibt wohl kaum einen Monat im Jahr, der uns so viel Freude macht, wie der Mai. Eigentlich.

Wir brauchen nur in den Garten gehen, einen Spaziergang machen oder unsere Blumen auf dem Balkon bewundern. Überall wächst es, grünt und blüht.

Auch dieses Jahr 2020, im Jahr der weltweiten Corona- Pandemie, lässt sich die Natur nicht aufhalten. Der Frühling hat sich- Pandemie hin, Pandemie her- unweigerlich und unübersehbar seinen Durchbruch verschafft.

Ganz im Gegenteil, es scheint fast sogar so, als würde sich die Natur angesichts des weltweiten Teilstillstandes erholen, aufatmen, aufblühen.

Zumindest werden im Bosporus jetzt so viel Delphine gesichtet, wie schon in den letzten Jahren lange nicht mehr.

Aber es gibt auch das Umgekehrte.

Abgeschnittene Blütenzweige und Blumen verdorren schnell, wenn sie nicht rechtzeitig ins Wasser gestellt werden. 

Woran liegt dasWas macht den Unterschied aus? Ganz einfach

Sobald ich einen Zweig vom Baum abschneidekann er zwar noch in der Vase blühen, aber in dem Augenblickwo er abgeschnitten ist, steckt bereits der Tod in diesem Zweig. Weil er abgeschnitten wurde, kann der Lebenssaft des Baumes nicht mehr durch ihn strömen, er ist von seinem Ursprung abgeschnitten. Darum stirbt er ab und kann auch keine Frucht mehr bringen.

Dieses Bild gebraucht Jesus im heutigen Evangelium für uns Menschen

Es geht um einen Weinstock und seine Rebzweige.

Jesus will uns damit sagen: Dhast die Wahl, als Christ ein blühender Zweig zu seinan dem jeder seine Freude hat und der Früchte trägtOder du kannst ein verdorrter Zweig seinder zu nichts mehr nütze istden man dann aber auch abschneidet und wegwirft

Und auch hier die Frage: Wliegt der Unterschied

Der Unterschied liegt darinob ein Mensch mit Christus verbunden ist oder nicht. So das Evangelium. Das Bild vom Weinstock und den Rebzweigen lässt uns an Menschen in unserem Leben denken, wo es eine Freude ist, mit ihnen zusammen zu sein. Menschen, die mit ihrer liebenswürdigen und freundlichen Art andere ermutigen und das Leben freundlich und erträglich machen. Menschen, denen die Glaubensüberzeugung anzusehen ist , in denen der Geist Jesu lebendig ist.

Jesus vergleicht uns mit der Rebe. Eine Beere soll schmecken, sie soll eine gewisse Süße haben. Das Ziel eines Christen sollte darum heißen: 

Meine Nähe sollte als angenehm und einladend erfahren werden, aufbauend und ermutigend. Mit einem Wort: Du musst für die andern schmackhaft sein. Das ist nur möglich, wenn wir am Weinstock bleiben, damit die Liebe Gottes durch uns fließen kann und uns reifen lässt. Grießgrämige oder verbissene Menschen, denen ihr Christsein mehr Pflicht als Freude ist, werden es kaum schaffen, anderen etwas von der frohen Botschaft vermitteln zu können. Sie gleichen eher sauren oder vertrockneten Beeren. Die aber will niemand wirklich verkosten. Saure Beeren spuckt man aus, weil sie nicht schmecken. 

Als Weintraube, sagt Jesus, kann man nicht reif werden, wenn man den Lebensstrom der Liebe Gottes nicht immer wieder in sich einlässt. Wer das tut, versauert nicht, sondern wird eine schmackhafte Frucht im Weinberg Gottes sein. Und eine Rebe soll auch nicht vom Weinstock – unserem Ursprung- abgeschnitten werden; denn so verliert sie die Verbindung mit dem Weinstock, Gott selbst, und wird verdorren. Genauso soll ein Christ mit dem Weinstock Jesus verbunden bleiben, wenn er sein Christsein überzeugend leben will; denn getrennt von mir, so sagt uns Jesus heute, könnt ihr nichts vollbringen!

So sollte jeder Mensch, dem Du begegnest „glücklicher von dir weggehen als er gekommen ist“! sagte einmal Mutter Theresa.

Eigentlich ein schönes Geschenk Gottes. Wir müssen nicht wirklich etwas selber tun, sondern „nur“ dranbleiben an ihm.

Wenn wir mit Gott so verbunden bleiben, schenkt er uns die Kraft zum Leben, die Kraft der Hoffnung und vielleicht sogar die Kraft zum Jubilieren- auch jetzt in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie, den Lebens-Begrenzungen und Ausgangssperren.

Zumindest würden wir mit dem Lob Gottes, dem Jubilieren, dem Namen des heutigen Sonntags alle Ehre erweisen.

Amen.